Feiern und gewinnen

Die neue „Eiskönigin“ hat in Stuttgart ihre Karriere begonnen

Stuttgart bekommt eine neue „Elsa“. Zum Februar 2026 steht im „Stage Apollo Theater“ ein großer Castwechsel an: Chiara Fuhrmann übernimmt im erfolgreichen Disney-Musical „Die Eiskönigin“ die Hauptrolle. Sie wird damit in Deutschland die erste Musical-Darstellerin sein, die bereits „Anna“ und nun eben auch „Elsa“ in der Hauptbesetzung gespielt hat. Und noch etwas ist an dieser Besetzung bedeutsam.

In „&Julia“ ergatterte Chiara Fuhrmann 2024 ihre erste tragende Titel-Rolle: eine poppige Figur mit viel Britney-Spears-Hüftschwung. Der Wandel zu „Elsa“ wird elementar. „Ich habe beide Charaktere in mir“, weiß die 30-Jährige. „Die Figur der ‚Julia’ ist von der Bewegungsfreude eher vergleichbar mit ‚Anna’ – wobei das Tanzen mir zwar viel Spaß macht, aber auch eine Herausforderung war.“ Dabei liege der Reiz des Rollenwechsels nun gerade im Kontrast: „Es wird spannend, sich nun einer ruhigeren, gesetzteren Figur zuzuwenden – eben weil ich die letzten zwei Jahre so viel über die Bühne gehüpft bin.“ Bei allen Unterschieden sieht Chiara aber auch Gemeinsamkeiten der Figuren: „Beide haben viel mit Selbstzweifeln zu tun, sind auf der Suche nach sich selbst. Zwar könnten die Shows kaum unterschiedlicher sein, aber ‚Elsa’ und ‚Julia’ finden beide im Laufe ihrer Geschichten hin zur Selbstliebe, was ich ziemlich bemerkenswert finde.“

In Hamburg stand Chiara neben Willemijn Verkaik als „Anna“ auf der Bühne. Als man ihr anbot, nun in Stuttgart die „Elsa“ zu übernehmen, zögerte sie nicht lange. „Ich weiß nicht, ob ich selbst auf die Idee gekommen wäre, mich auf die Rolle zu bewerben – aber vor allem deshalb, weil ich voll in dem ‚Anna’-Tunnel drin war.“ Umso größer ist ihre Freude auf die neue Herausforderung: „Es gibt einige Momente in der Show, wobei ich mir früher schon vorstellte: Das muss sich bestimmt toll anfühlen, hier die ‚Elsa’ zu spielen.“ Manch Außenstehendem habe sie früher sogar erklären müssen, wer eigentlich diese „Anna“ ist: „Das ist eigentlich schade, weil ‚Anna’ der Treibstoff der Geschichte ist. Trotzdem hat jeder bei Nennung des Titels vor allem ‚Elsa’ vor Augen.“ Erinnert sie sich jedoch an 2013, als der Film erschien, und sie mit ihrer eigenen Schwester ins Kino ging, da sei es auch „Elsa“ gewesen, mit der sie sich damals identifizierte. „Die Geschichte zeigt wunderschön, dass sobald Schwestern einander haben, sich Halt geben, miteinander reden, dann meistern sie jedes Hindernis. Diese Botschaft lässt sich auf jede Geschwister-Konstellation übertragen: Diese Verbindungen sind, einzigartig, unglaublich wertvoll – das macht diese Geschichte so beliebt und erfolgreich.“
Dass sie die eine Schwester bereits verinnerlicht hat, die andere nun erarbeitet, darin sieht Chiara eine besondere Chance: „Es gibt einige sehr gefühlsintensive Momente in der Show“, weiß die Sängerin, etwa auch das Duett „Du bist alles“, worin beide Schwestern um gegenseitiges Verständnis kämpfen. „Ich weiß, wie ‚Anna’ sich in solchen Momenten fühlt und bin gespannt darauf, nun den Gegenpart zu übernehmen, mich voll in ‚Elsa’ zu versetzten, dabei aber das Gefühl als ‚Anna’ genau zu kennen. Ich freue mich, nun auch mal auf der anderen Seite stehen zu dürfen.“

Den Animationsfilm „Die Eiskönigin“ haben vielen Menschen gesehen, sie gehen mit einer gewissen Erwartung ins Theater, weshalb man bei Disney besonders sorgfältig auswählt, wer das traumhafte blaue Glitzerkleid tragen darf. Umso mehr freut sich Chiara, als Darstellerin für die „Elsa“ ausgewählt worden zu sein. Und über die rein professionelle Entscheidung hinaus ist die Tochter deutscher und afrikanischer Eltern ebenso glücklich, als „Woman of Colour“ in dieser Rolle gesehen zu werden: „Wenn ich als Chiara die ‚Elsa’ angeboten bekomme, freue ich mich nicht als POC, sondern erstmal ganz persönlich. Ich bin stolz und glücklich, dass ich ‚Elsa’ werde, weil ich in diese Rolle passe“, schickt sie voraus. Dennoch habe die Besetzung eine „positive Bedeutung“: „Mir ist bewusst, dass dies ein großer Schritt ist, und ich freue mich, für mehr Sichtbarkeit zu sorgen.“ Schon in ihrer Zeit als „Anna“ habe sie oft die Freude bei Kindern erlebt, „die aussehen wie ich“ und in der Geschichte nun jemanden gefunden hatten, in dem sie sich wiedererkannten. „Es ist ein Märchen für alle. Wir sind in einer Zeit angekommen, in der jeder ins Theater gehen, Herz wie auch Kopf öffnen und diese Geschichte genießen kann.“
Die Neckarmetropole ist für Chiara Fuhrmann kein Neuland. Hier hat sie 2017 ihre professionelle Bühnenkarriere gestartet, kam kurz nach der Musical-Ausbildung direkt zur Show „Bodyguard“: „Ich war ein kompletter Neuling. Die Mitwirkung in solch einer großen Produktion, in diesem Theater, in dieser Stadt – das hat es für mich nochmal bestätigt: Genau das hier will ich!“ Sie erinnert sich an „den tollen Ausblick über die Stadt; den Wald, wo ich oft spazieren ging. Ich freue mich darauf, all das wieder neu zu entdecken.“ Und vielleicht auch noch ein wenig mehr schwäbisch zu lernen, denn manche Momente der Show wurden gegenüber der Hamburger Version „tonal“ angepasst.

Über Weihnachten fährt Chiara erstmal nach Hause, zu ihrer Schwester und ihrer Familie nach Osnabrück: „Es ist oft die einzige Gelegenheit im Jahr, zu der ich meine ganze Familie sehe. Wir feiern dann immer mit Freunden und sitzen Heiligabend bei Rotkohl und Klößen zusammen – darauf freue ich mich sehr!“ Im Februar geht es dann los als neue „Elsa“ in Stuttgart.

Mathias Schwappach