Der andere Blick auf Weihnachten

Ein echter Santa plaudert aus dem Nähkästchen, ohne zu viel zu Verraten

Im Gespräch mit Andreas (Santa) Wenzel

Santa Claus, der Nikolaus und Väterchen Frost sind eigentlich dreierlei verschiedene Geschenkebringer, die zwar allesamt auf dem historischen Heiligen Nikolaus basieren, aber in unterschiedlichen Kulturen und zu unterschiedlichen Zeiten agieren. Santa Claus ist die amerikanische Version und stammt vom niederländischen „Sinterklaas“ ab. Väterchen Frost ist der russische Alter Ego. Und dem Nikolaus hat man in unseren Gefilden in der Nacht auf heute die Stiefel vor die Tür gestellt. Früher waren die Kostüme der Figur oft farbig, mal blau, mal grün, mal rot und braun – dann vielleicht sogar als Pelzmäntelchen. Dass wir heute die Farbe Rot direkt mit Santa Claus in Verbindung bringen, daran hat das Marketing von Coca-Cola mit seiner Weihnachtswerbung einen nicht unerheblichen Anteil. Andreas Wenzel agiert als täuschend echter Santa Claus. Einer, wie aus dem Bilderbuch. Im Gespräch hat er uns erzählt, wie er seine Rolle lebt – und seinen Bart pflegt.

Eine Jobvermittlung an der Uni München war einst ursächlich dafür, dass Andreas Wenzel vor 25 Jahren – und bis zum heutigen Tag – eine neue Berufung für sich entdeckte und seither zur Adventszeit sowie auch an Weihnachten den Santa Claus gibt. Dann schlüpft er in seinen roten Anzug mit weißem Fellbesatz, wirft den großen Leinensack über die Schulter und bringt den weißen Rauschebart in Form. Nicht zu vergessen die rote Mütze, ein Glöckchen, eine Rute und ein Lesebuch mit Weihnachtsgeschichten, aus dem er gerne seinen kleinen und großen Zuhörern vorliest – das alles gehört für ihn ganz selbstverständlich zum perfekten Auftritt dazu.

Alles was einen perfekten Santa ausmacht, ist vorhanden

„Meine Figur und mein Bart sind doch prädestiniert dafür, einen glaubwürdiger Santa abzugeben, oder?“, fragt Andreas Wenzel, lacht verschmitzt, klopft sich auf den Bauch und streicht über seinen Bart. Während des Studiums der Europäischen Ethnologie und Amerikanistik hatte Wenzel nach Möglichkeiten gesucht, sich etwas dazu zu verdienen. So hat er damals schon als Statist beim Fernsehen gearbeitet, bei Umzügen geholfen und eben auch als Nikolaus seine ersten Einsätze gehabt. Beruflich hat es den gebürtigen Saarländer, von München über Stuttgart nach Aalen geführt, wo er heute im Bildungsbereich tätig ist. Er lebt in Essingen, dort in einem wunderschönen Holzhaus, einer einstigen Gärtnerei. Heute gilt: Das – ist – das – Haus – vom – Ni – ko – laus.
Über Vermittlungsagenturen und Webseiten, wie weihnachtsmann-nikolaus.de, nikolaus-zentrale.de oder weihnachtsmannbuero.de kann sich heutzutage jeder seinen Santa Claus buchen, ganz gleich ob für die Firmenfeier, den Auftritt im Kaufhaus oder für eine Familienfeier. Aber auch in Kindergärten und Schulen ist er freilich immer herzlich willkommen.

Ein gerngesehener Gast, dem die Zuhörer gerne lauschen.

Kinder lauschen gerne den Weihnachtsgeschichten

Vor allem dann, wenn sich Santa Zeit nimmt, mit den Kindern spricht und eines seiner bebilderten Bücher hervorholt und eine Weihnachtsgeschichte zum Besten gibt. Dann leuchten die Augen der meist kleinen Zuhörer und man lauscht gespannt. Das ist die Welt von Andreas Wenzel. Seine tiefe, klare Stimme eignet sich bestens dafür, Ruhe und auch Respekt zu vermitteln. Das gefällt auch den Erwachsenen: Zum Beispiel, wenn er mit seinem tiefen Bass ein stimmungsvolles Weihnachtslied anstimmt.

Santa Claus weiß mehr, als man denkt

Zur Vorbereitung seiner Einsätze bespricht sich Andreas Wenzel mit seinen Auftraggebern: Was wird gewünscht, wer bekommt welches Geschenk und wer hat was im laufenden Jahr getan – oder eben nicht getan? Bei Kindern kann er so mit Wissen überzeugen, das die Kinder bei ihm so nicht erwarten. Er weiß zum Beispiel, wohin der letzte Urlaub führte oder wann der letzte Besuch bei der Oma war. Das verwundert die Kinder: Woher er das bloß weiß? Bei Firmenfeiern darf es dafür schonmal etwas derber zugehen: Da wird etwa auf Prozesse im Betrieb Bezug genommen, die im Jahresrückblick nicht so gut gelaufen sind. Besonders beliebt ist es, wenn die Chefetage ihr Fett abbekommt: Dann droht der sonst so freundliche Santa auch schonmal mit seiner Rute aus Zweigen. Das führt garantiert immer zu einem Lacherfolg.
Sollten die Kinder fragen, wie der Santa anreist, dann antwortet Andreas Wenzel: „Mit dem Schlitten und der steht oben auf dem Dach. Man kann ihn zwar nicht sehen, aber die Rentiere freuen sich immer über eine Karotte oder einen Apfel.“ Diese Geschichte kommt bei den Kindern gut an, sorgt für Erstaunen – und natürlich für den einen oder anderen heimlichen Blick aufs Dach: „Vielleicht kann man den Schlitten ja doch sehen.“

Ein „Ho ho ho“ für alle!

Ein kräftiges „Ho ho ho“ ist immer mit dabei. Auch für jeden aufgeschlossenen Mitbürger, den Santa in seinem Kostüm auf dem Weg zum Einsatz trifft. „Das zaubert ein Lächeln ins Gesicht und dann weiß ich, dass ich etwas Gutes für die Menschen tue“, erklärt Andreas Wenzel seine Motivation.
Er übernimmt gerne Aufträge in der Region. Es gibt Familien, die ihn schon seit Jahren als Santa buchen. Allerdings sind einige der Kinder jetzt bereits aus dem Alter heraus, in dem man noch an den Weihnachtsmann glaubt. Heute kann es passieren, dass ein 14-Jähriger dem Santa vor seinem Einsatz erst einmal einen Espresso anbietet.

Improvisation ist manchmal hilfreich

Das Improvisieren gehört zum Leben eines Santa Claus zwingend dazu: Damit zum Beispiel der Bart die richtige Form und Farbe hat, nimmt unser Santa in der Regel Haarspray zuhilfe. Wenn man das mal vergisst oder das Spray eingetrocknet ist, dann kann auch schon der Griff in die Mehltüte kurz vor dem Auftritt weiterhelfen.
Besonders schön ist so ein Auftritt für Wenzel, wenn draußen Schnee liegt und die ganze Stimmung weihnachtlich anmutet. Dann passt einfach alles: ein „Von drauß‘ vom Walde“-Feeling eben. Aber er kann sich’s eben auch nicht aussuchen, wo der Santa gebucht wird und erinnert sich an einen Auftrag in einem Thermalbad: „Das war eine richtig schweißtreibende Angelegenheit. Dann doch lieber 10 Grad minus.“ Bloß nicht aus der Rolle fallen, das ist die Devise. Und die galt auch beim Fototermin für die Zeitung im Kloster Lorch, wo sogleich Besucher begeistert auf den Santa zugingen und die Smartphones zückten. Andreas Wenzel ist das gewohnt, bleibt der Verantwortung seines Kostüms und der Tradition seiner Figur stets treu – und sorgt für viel gute Laune: „Ho Ho Ho!“

Diana Koch-Laquai

Wer den Essinger Santa Claus buchen, möchte, hat noch wenige Gelegenheiten. Anfragen telefonisch unter 0179 9977015 oder per E-Mail an originalsanta@email.de. Nur am 24. Dezember ist er bereits in seiner alten Heimat München fest verbucht.