Spekulatius statt Spotlight - Wie die Promis das Fest feiern

Jingle Bells unter Palmen: Wie Musikkabarettist Armin Fischer Weihnachten feiert

Im Advent sind wohl die meisten Menschen damit beschäftigt, die Wohnung weihnachtlich zu schmücken, Plätzchen zu backen, Geschenke und einen passenden Tannenbaum auszusuchen. Der Wintermantel wird aus dem Schrank geholt, das Kaminholz liegt bereit und für die Feiertage melden sich die ersten Gäste an. Bei Armin Fischer sieht diese Zeit in der Regel ganz anders aus: Der Musikkabarettist mottet seine Sommerklamotten nicht etwa ein, sondern packt sie in einen Koffer und begibt sich auf große Fahrt: Den Großteil der Weihnachtszeit verbringt er als Pianist und Entertainer an Bord eines Kreuzfahrtschiffes in südlichen Gefilden.

Der Unterschied zum vertrauten Weihnachtsfest im Kreis der Familie, mit nass-kaltem Wetter, Krippenspiel und Bescherung unter dem Tannenbaum könnte kaum größer sein, wenn Armin Fischer als Gastmusiker auf hoher See für sein Publikum Weihnachtslieder spielt. Auch wenn das Ambiente an Bord eines Kreuzfahrtschiffes für die Gäste meist weihnachtlich gehalten ist: Bei Temperaturen, die eher zum Sprung in den Pool einladen als zu einer Schneeballschlacht, gibt es Stücke, die einfach von vorneherein für Heiterkeit sorgen, denkt man zum Beispiel an Klassiker wie „Leise rieselt der Schnee“ oder „Jingle Bells“ – ein Lied, welches bekanntlich das Vergnügen beschreibt, von einem Pferd im Schlitten durch die Winterlandschaft gezogen zu werden. Auch der Brauch, Weihnachten mit der Familie zu feiern, lässt sich bei so einer Reise nicht realisieren, selbst wenn im Restaurant- und im Barbereich festlich geschmückte Tannenbäume stehen. Manchmal begleitet ihn seine Frau, die Artistin Gina Althoff, auf seiner Reise durch die Karibik, zu den Kanarischen Inseln oder nach Australien, „dann ist es überall schön“, freut sich Armin Fischer.

Doch auch sonst lässt sich der Musikkabarettist schon berufsbedingt den Spaß an Weihnachten nicht verderben. Aus der Not, fernab von seinen Lieblingsmenschen zu sein, macht Armin Fischer eine Tugend: Er feiert ein großes Weihnachtsfest mit den Gästen des Abends. Bei seiner Show „Freude schöner Weihnachtstrubel“ liegt ein Adventskranz auf der Bühne, der sich im Handumdrehen in einen Weihnachtsbaum verwandelt. Zusammen mit seinem Publikum beleuchtet er die urkomischen Seiten des Fests. „Geschickte“ Geschenke werden präsentiert und durch die Mangel genommen, Weihnachtslieder gesungen, und die Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen sich gegen Ende der Vorstellung sogar etwas wünschen: Ihre Lieblingsmusikstücke. Die Vorschläge notiert sich der Musiker und verknüpft sie gekonnt zu einem Medley, mit viel Improvisation und immer deutlich erkennbaren Original-Melodien.

In solchen Momenten seines Programms tritt der gelernte Virtuose in den Vordergrund. Ursprünglich plante der an der Hamburger Hochschule für Musik ausgebildete Pianist eine klassische Konzertkarriere, aber sein ihm innewohnender Humor hatte bei der Berufsplanung wohl mehr als ein Wörtchen mitzureden. Dass er Menschen unterhalten und zum Lachen bringen konnte, entdeckte Armin Fischer schon früh: In der Schule sorgte er mit spontanen Beiträgen für Abwechslung bei seinen Klassenkameraden. „Die fanden das natürlich besser als den manchmal schon recht monotonen Unterricht“, erzählt er verschmitzt.

Ein Klavier wünschte sich der junge Armin schon mit fünf Jahren. Dieser Traum ging auch recht schnell in Erfüllung – zur Einschulung stand das Instrument bereits in der guten Stube. Dass Musik etwas Besonderes in seinem Leben darstellen würde, liegt nicht zuletzt auch in der Art begründet, wie Weihnachten in seiner Familie gefeiert wurde: „Meine Mutter hat beim Festgottesdienst im Kirchenchor gesungen und mein Vater hat Posaune oder Waldhorn gespielt.“ Armin Fischer erinnert sich noch genau an diese Tage; als Kind seiner Eltern saß er damals auf der Empore, wo Kirchen- und Posaunenchor spielten und sangen. „Wenn zum Schluss die ganze Gemeinde „O du fröhliche“ anstimmte, hat mich das immer beeindruckt – alles war so feierlich und beschwingt. In diesem Moment hatte ich zweierlei Freude: Zum einen, weil mich das musikalisch reizte, diese wunderbare positive Emotion, die mit dem Lied verbunden war, und zum anderen das Wissen: Gleich darf ich mich mit meinen Freunden treffen, die ich ja unten in der Kirche sitzen sah, und an die ich während des Gottesdienstes nicht herankam. Dann konnten wir noch kurz zusammen draußen rumtoben und wussten, gleich geht’s nach Hause, und dann kommt das Christkind.“

Weihnachten in der Nähe des Äquators oder auf hoher See zu feiern, kann ungewöhnliche Eindrücke bescheren, so wie diesen mit Muscheln, bunten Fischen und Seetang geschmückten Weihnachtsbaum an Bord eines Kreuzfahrtschiffes.	Foto: privat
Privat – Weihnachten in der Nähe des Äquators oder auf hoher See zu feiern, kann ungewöhnliche Eindrücke bescheren, so wie diesen mit Muscheln, bunten Fischen und Seetang geschmückten Weihnachtsbaum an Bord eines Kreuzfahrtschiffes.

Diese positive Verbindung zur Musik war es wohl, die den jugendlichen Armin Fischer dazu bewegte, regelmäßig zu üben und musikalische Ideen auszuprobieren. In einer Phase großer Langeweile – „Ich war durch einen Fahrradunfall mehrere Wochen mit einem Gipsbein zuhause“ – setzte er sich unabhängig vom Klavierunterricht ans Instrument und begann, mit dem Material, das ihm zur Verfügung stand, zu spielen und zu improvisieren. Glück für sein Publikum, das ihn für diese Fähigkeit liebt. Auch heute noch, sagt Armin Fischer, steht manchmal nur die grobe Idee eines Sketches, der Rest entwickelt sich auf der Bühne.

Wenn der gebürtige Westfale am 24. Dezember beispielsweise auf Madeira weilt, weil ihn seine Anstellung als Gastmusiker eines Kreuzfahrtschiffes dorthin verschlagen hat, sieht Weihnachten natürlich ganz anders aus als das Fest seiner Kindheit. „Zu Weihnachten stehen die festlich gekleideten Menschen in südlichen Ländern bei mildem Wetter am Nachmittag des Heiligabends oft zusammen draußen auf den großen Plätzen der Stadt. Ein Geschwirr aus fröhlichen Stimmen ist überall zu hören und die Kinder toben aufgeregt herum. Man trifft sich vor den Restaurants und Lokalen, um gemeinsam zu feiern“, erzählt Armin Fischer von seinen Reisen. Der familiäre Feiertag sei dort oft erst der 25. Dezember.

„Solange wir uns an Bord aufhalten, fällt es gar nicht so sehr auf, dass wir nicht in Europa sind, mit Klimaanlage und geschmückten Weihnachtsbäumen. Aber wenn man dann rauskommt, wirkt alles völlig verrückt – für unsere Begriffe: In Curaçao zum Beispiel schmücken die Menschen dann Palmen, oder es stehen Kunstbäume am Strand. Und die sind dann auch nicht unbedingt grün, sondern lila, oder sie haben andere starke Farben. Die Häuser sind bunt, die Kleidung ist bunt, das Lebensgefühl ist fröhlich: Eine ganz andere, wunderbare Art, Weihnachten zu erleben!“ Der Künstler lässt all diese Eindrücke gerne auf sich einwirken, sei es die quirlige Feierlaune der Menschen vor Ort, eine riesige Krippenlandschaft in einer überdachten Festhalle auf Lanzarote oder kunstvolle lebensgroße Krippenfiguren am Stadtstrand von Gran Canaria.

Zurück in Deutschland holt er gelegentlich Weihnachten mit der Familie nach. „Einmal habe ich meine Nichten und Neffen an Ostern besucht und sie dann mit einem Alternativprogramm überrascht: Wir haben Weihnachtslieder gesungen und es gab eine kleine Bescherung. Das fanden die Kinder unglaublich witzig“, erzählt Armin Fischer. Auch privat lässt es sich der Profimusiker offensichtlich nicht nehmen, Menschen zu unterhalten.

Die Vielfalt, die Armin Fischer durch seine Reisen mitbekommt, wirkt auf ihn inspirierend, der Titel seines Programms enthält nicht umsonst den Begriff „Weihnachtstrubel“. Der manchmal aufkommenden Wehmut beim Gedanken an die familiäre Geborgenheit vergangener Weihnachtstage seiner Kindheit setzt er, ganz in seinem Element als Entertainer, die heitere Gemeinschaft des Augenblicks auf der Bühne entgegen: „Dort ist es für mich selbst ein Geschenk, den Menschen Freude zu machen und sie zum Lachen zu bringen.“

Mit dieser fühlbaren Nähe zum Publikum stellte Armin Fischer auch in der Künkelinhalle Schorndorf am 4. Dezember sein Programm „Freude schöner Weihnachtstrubel“ vor, ein „klavierkabarettistischer Adventskalender mit 24 Miniaturen aus Musik, Gedichten und Geschichten“. Dabei, so verrät er im Interview, war sogar eine „Welturaufführung“, was bei gekonnter Improvisation auf der Bühne ja häufiger vorkommt. So durfte das Publikum während der Show Weihnachten in himmlischen Sphären beiwohnen. Die Idee zu diesem Programmpunkt kam ihm bereits vor langer Zeit, die „Tannenbaum-Ode“ in dieser Form, sagt Fischer, hatte aber tatsächlich an diesem Abend Premiere – vor dreißig Jahren existierte lediglich eine kleine Vorgänger-Version, ohne himmlische Geschichte und bei weitem nicht so musikalisch ausgeschmückt.

Der Musikkabarettist beschrieb seinen Gästen an diesem Abend folgende Szene: Gott selbst möchte ein unvergessliches Fest ausrichten und bittet die größten Komponisten in der Reihenfolge ihres Ablebens ans Klavier, damit die Musiker ihre ganz eigene Version von „O Tannenbaum“ darbieten. Am irdischen, aber nicht minder himmlisch klingenden Bösendorfer Konzertflügel der Künkelinhalle sitzt Armin Fischer und interpretiert diesen Weihnachtsklassiker zunächst nach Art Johann Sebastian Bachs, danach folgen Mozart, Beethoven, Schubert, Rachmaninow und weitere Komponisten, immer eingebettet in eine höchst amüsante Rahmenhandlung. Den Stil trifft der brillante Pianist so genau, so überzeugend, dass sich unmittelbar eine musikalische Karikatur der jeweiligen Komponisten in den Köpfen der Hörerinnen und Hörer abzeichnet. Und so feierte Armin Fischer auch bei dieser Vorstellung seine ganz persönliche Version von einem gelungenen weihnachtlichen Abend zusammen mit seinem Publikum.

Vera Röhlich