Wie die Promis das Fest feiern
Es ist ein Abend in der Vorweihnachtszeit 1986. Rolf Zuckowski hat ein Adventskonzert in Bochum gespielt, macht sich auf den Heimweg. Die Rückfahrt nach Hamburg soll drei Stunden dauern. Vorher ruft er zuhause an: „Was macht ihr denn so?“, fragt er seine Frau, hört schon im Hintergrund vertraute Geräusche aus seiner Küche. „Wir backen Plätzchen“, erklärt seine Frau. „Ich hatte dann also beim Autofahren diese Szene meiner Familie beim Backen lebendig und bildlich vor Augen – und habe mir dazu dieses Lied ausgedacht.“ Heute zählt der Song „In der Weihnachtsbäckerei“ zum unerschütterlichen Adventsrepertoire jedes Kindes. Das Musical dazu gibt es aktuell im Stuttgarter „Stage Palladium Theater“ zu erleben. Die Geschichte zum Lied, Episoden seiner Karriere und seiner Weihnachtszeiten, all das erzählte uns Rolf Zuckowski im Interview.
Beim Backen mit seiner Familie sei er meistens nur Zuschauer gewesen, erinnert sich der dreifache Vater. „Mit meiner Frau und den Kindern war unsere damals sehr schmale Küche einfach schon voll. Ich habe meistens nur zugeschaut.“ Im Hinblick aufs Komponieren seines rückblickend erfolgreichsten Hits sei dies allerdings ein Glücksfall gewesen, vermutet Zuckowski: „So konnte ich kein echtes Rezept besingen – und das ist gut, denn so ist das Lied lustig geworden.“
So sang er im Auto vor sich hin: „Das passierte gar nicht so selten. War die Strecke stress- und staufrei, habe ich oft Lieder singend im Auto erfunden.“ Doch war er sich der Tatsache bewusst: „Was ich da singe, könnte man zwar nachbacken – aber so richtig lecker wäre das nicht.“ Als Zuckowski abends zuhause ankam, waren die Plätzchen fertig, das Lied auch – und beides wurde direkt ausprobiert. Rolf schmunzelt: „Unser damals zweijähriger Sohn Andreas ging später – völlig geschafft vom Teig naschen, ausrollen, ausstechen, verzieren – trotzdem singend ins Bett.“
Obschon sein kommerziell erfolgreichster Hit, war doch „Die „Weihnachtsbäckerei“ zunächst nie als Namensgeber eines Albums gedacht gewesen. „Mein erstes Weihnachtsalbum hieß ‚Wir warten auf Weihnachten’, das erschien 1982 – da gab es ‚Die Weihnachtsbäckerei’ noch gar nicht.“ Das Stück sei erstmals 1987 auf dem Album „Winterkinder“ präsentiert worden. Wegen des Erfolgs und der Bekanntheit wurde es viel später dann, „in der jüngeren Vergangenheit“, zum Titeltrack einer Compilation. „Das ist eine Art ‘Best of Rolf Zuckowski im Advent’. Es gibt davon sogar noch eine LP in Vinyl, wobei die ergänzenden Bilder der Künstlerin Julia Ginsbach dieses Thema obendrein noch besonders reflektiert haben.“

Eine dieser Illustrationen – ein kleckernder blauer Engel – dürfte übrigens in vielen deutschen Kinderzimmern plastisch vertreten sein: „Der Engel wurde zur Tonie-Figur, die Compilation zu deren Inhalt“, freut sich Rolf Zuckowski. „Mein Enkelsohn Finn, vier Jahre, eines von sechs Enkelkindern, spielt damit auch gerne mal im Sommer, es sei Weihnachten.“ Dabei gäbe es ja zum Glück mit seiner „Vogelhochzeit“, der „Schulweg-Hitparade“ und den „Hasengeschichten“ noch weitere Tonie-Figuren, die man den Sprösslingen unterjubeln könnte, bemerkt er augenzwinkernd. „So haben auch die Eltern übers Jahr immer ein bißchen Abwechslung.“
Über einen Mangel an Vielfalt können sich kleine wie auch inzwischen erwachsene Fans von Rolf Zuckowski freilich nicht beklagen: 23 Millionen verkaufte Tonträger verzeichnet seine Bilanz. „Das Album ‘Winterkinder’ und die Single ‘In der Weihnachtsbäckerei’ sind seit vielen Jahren ab Anfang Dezember Stammgäste in den Charts.“ Und auch sonst sei da einiges zusammengekommen. „Das Ganze hat sich aufgebaut von Wohnung zu Wohnung, von Kita zu Kita – und dann noch über diverse Chöre. So ist diese Größenordnung entstanden, die ich manchmal selber kaum fassen kann.“
In seiner 2022 erschienenen Autobiografie „Ein bisschen Mut, ein bisschen Glück – Mein musikalisches Leben“ lässt sich der Werdegang des Ausnahmekünstlers nachverfolgen: Wie ein Fan der Rolling Stones, der Hollies, der Beatles mit 14 Jahren seine erste Gitarre bekam; wie er mit seiner Schülerband „The Beathovens“ im Großraum Hamburg eine gewisse Prominenz erlangte; wie er während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre zum ersten Mal Vater wurde: „Da nahm meine Musik langsam den Schwenk in Richtung Familie und Kinder.“ Als ihm Peter Meetz, der Drummer seiner früheren Band, dann gestattete, einen Bilderzyklus zu einer Vogelfamilie zu vertonen, entstand 1977 „Rolfs Vogelhochzeit“. „Dies fand so viel Anklang, dass ich mir dachte: Daraus kann vielleicht mehr werden.“
Dass „In der Weihnachtsbäckerei“ sein kommerziell erfolgreichstes Lied wurde, läge an dessen Wirkung, positive Gefühle und Erinnerungen zu wecken. Sein emotional größter Erfolg „Ich schaff‘ das schon“ sei leider kaum im Radio vertreten. Sein Lied „In der Weihnachtsbäckerei“ schaffe es sogar zur Weihnachtszeit häufiger ins Programm der Popsender, wo ja sonst eher englischsprachige Titel zu hören seien. Das könnte daran liegen, „dass das Lied recht viel gesungen, nicht nur angehört wird, und einige Menschen an ihre eigene Kindheit erinnert“, vermutet Zuckowski. „Es hat offensichtlich diese Kraft.“
Die emotionale Anbindung an die Weihnachtszeit habe dem Stück „sicher nicht geschadet“. Auch bei Rolf Zuckowski selbst weckt der Gedanke an Weihnachts- und Adventszeit sogleich die Vorfreude. Bei ihm beginne die besinnliche Saison meistens mit dem 1. Advent, wenn er von einem Auftritt nach Hause zurückkehrt; „Während ich weg war, hat meine Frau dann das Haus dekoriert – mit Hingabe und aus vollem Herzen.“ Beim Betreten der Wohnung umfange ihn dann sogleich der Zauber der Adventsstube. „Und das bleibt dann so bis einige Tage nach Weihnachten. Erst Richtung Silvester wird das alles wieder zurück-geschmückt.“
Momente der Gemeinsamkeit prägen die Adventszeit im Hause Zuckowski: Spontane gemeinsame Gesangseinlagen auf dem Sofa, mal mit der Ehefrau, mal mit den sechs Enkelkindern; gemeinsame Weihnachts-Puzzles; gemeinsames Backen, „So wird die Weihnachtsstube für die Familie lebendig. Das sind die wesentlichen Stimmungen dieser Zeit.“ Für den ruhigeren Teil liege allerdings stets ein weihnachtlicher Gedichtband neben seinem Bett: „Ich mag es gerne, Gedichte zu lesen. Und es gibt einige Weihnachtsgedichte, die man über die Jahre immer wieder im Advent liest. Das gehört für mich dazu.“
Wer mit einem Lied wie der „Weihnachtsbäckerei“ bekannt ist, selbst wenn er selber nicht backt, muss doch aber trotzdem ein Lieblingsplätzchen haben? – Rolf lacht und bemerkt augenzwinkernd: „Alles, was aus der Küche meiner Frau kommt, ist mein Lieblingsplätzchen.“ Direkt angesprochen auf geschmackliche Vorlieben, wird er etwas konkreter: „Ich mag es, wenn Haselnüsse drauf sind. Ich mag auch Marzipan, Schokolade und Kokos.“ Er lacht: „Dass ich da nicht so wirklich auf den Punkt komme, liegt einfach daran: Eine ganz bestimmte Lieblings-Plätzchensorte kann ich gar nicht benennen.“
Jedoch gäbe es ein Geschmackserlebnis, das der Musiker ganz klar mit Weihnachten verknüpft: „Im Juli, August oder September habe ich manchmal das Gefühl, vergessen zu haben, wie Marzipan eigentlich schmeckt.“ Und sobald dann irgendwann die ersten Weihnachts- oder Marzipanplätzchen zurückkehrten, „erst dann erlebt und weiß man es wieder: So gut schmeckt das also – das ist der Geschmack vom Advent!“
Ein weiterer mit Weihnachten und speziell Heiligabend eng verknüpfter Geschmack ist für Rolf Zuckowski übrigens das Fondue: „So ein Fondue ist ein sehr leckeres Essen, und vor allem in der Vorbereitung unkompliziert“, lobt er diese Tradition. „Schon beim Einkauf kann man berücksichtigen, was jeder gerne mag und haben möchte – und alles kommt auf den Tisch. Niemand muss an Weihnachten in der Küche stehen, alle sind zusammen.“
Große Freude bereitet Zuckowski stets der Weihnachtsbaum – der allerdings, ganz exklusiv, nur an den Weihnachtstagen in die Stube einziehen darf. „Wir mögen es, den Baum erst zu Heiligabend aufzustellen. Am 23. Dezember holt man ihn abends rein. Irgendwie schaffen es auch meine inzwischen erwachsenen Kinder immernoch, für eine Stunde bei uns vorbeizukommen. Und dann schmücken wir gemeinsam den Christbaum – wie früher in ihren Kindheitstagen.“
An Heiligabend werde dann beizeiten die Tür zum Weihnachtszimmer, geschlossen: „Dann kommen die Geschenke unter den Baum. Ein kleines Glöckchen wird zur Bescherung geläutet.“ Je nachdem, wer mit den Eltern feiere – der älteste Sohn oder auch der jüngere mit seiner Frau und ihren beiden Kindern – werde dann Hand in Hand im Kerzenlicht „Oh Tannenbaum“ angestimmt, gefolgt von „Oh du Fröhliche“ und „Alle Jahre wieder“. „Und dann geht’s ran an die Geschenke.“
Fragt man Rolf Zuckowski nach seinem persönlichen Lieblingsweihnachtslied, muss er nicht lange überlegen: „Alle Jahre wieder“. Er beschreibt eine Platte des Kinderchores des Norddeutschen Rundfunks, die bei ihm bis heute zu Weihnachten oft aufgelegt werde: „Die Aufnahme beginnt mit dem Geläut der Hamburger Michaelis-Kirche, die wir ‚Michel’ nennen. Dann kommt diese wunderbare Melodie. Es ist dieser schöne, alte, traditionelle Chor-Klang, der mich immer wieder verzaubert. Das ist so emotional, dass dieses Lied bei mir einen ganz besonderen Stellenwert hat.“ Und nach kurzem Überlegen fügt er noch hinzu: „Es ist wie eine Brücke in die eigene Kindheit.“
An die Weihnachtsfeste in Kindertagen hat sich der Komponist viele schöne Erinnerungen bewahrt. „Ich habe da viele Bilder vor mir. Eines war wohl besonders einprägsam.“ Als er etwa 12 Jahre alt war, lebte die Familie in einer Wohnung mit einem sehr langen Flur, an dessen Ende die „Weihnachtsstube“ lag. „Auch damals war die Türe an Heiligabend verschlossen. Sie hatte aber eine Milchglasscheibe, so dass man das Licht des Tannenbaumes hindurchschimmern sehen konnte.“ Sein Vater, ein Seemann, war nicht oft zu Hause. Aber an diesem Abend führte er seine Kinder, spielend auf der Mundharmonika, mit dem Lied „Ihr Kinderlein kommet“, den Flur entlang, hinein in die Weihnachtsstube. „Dann ging die Türe auf, der Christbaum strahlte und man sah die Geschenke.“
Kinder lieben Geschenke und brauchten sie auch, um richtig in Weihnachtsstimmung kommen zu können: „Es geht vor allem um die Überraschung“, weiß Zuckowski. „Weihnachten ohne Geschenke, das sagt man manchmal so leicht – aber irgendwie wäre es doch nicht Weihnachten, wenn die Kinder nicht etwas auspacken dürften.“
Das bedeutungsvollste Geschenk, das ihm in den Sinn komme, habe er allerdings nicht einmal selber bekommen: „Damals hat meine anderthalb Jahre jüngere Schwester Anke ihr erstes Fahrrad zu Weihnachten bekommen“, erinnert er sich. „Ich habe ihre Freude gesehen und gespürt, und habe mich mit ihr noch viel mehr gefreut, als über meine eigenen Geschenke.“
Heute kommen ihm diese Bilder oft wieder ins Gedächtnis, wenn er mit seiner Familie feiert. Wenn seine Kinder und Enkel an Weihnachten zu ihm und seiner Frau nach Hause kommen. Oder wenn er seinerseits mit seiner Frau am ersten Weihnachtsfeiertag im Hause seiner Tochter zu Gast sei. „Dieser Termin ist stets dem großen Familientreffen vorbehalten. Da besuchen wir die Familie meiner Tochter mit den vier Kindern. Auch ihre Schwiegereltern kommen dazu. Wir freuen uns, dass die ganze Familie zusammen ist, dass es uns gibt und wir uns so gut verstehen.“
Von solchen Eindrücken rühren auch die Weihnachtswünsche her, die Rolf Zuckowski zu dieser Zeit oft wieder bewusst werden. Für seine sechs Enkelkinder wünsche er sich einen nachhaltig positiven Blick in die Zukunft: „Sie sollen fühlen, es ist gut, auf dieser Welt zu sein. Sie sollen wissen: ‘Ich haben Möglichkeiten und kann aus meinem Leben etwas machen’.“ Für sich und seine Frau wünsche er sich die Gelegenheit, noch so manche Reise mit dem Wohnmobil zu erleben. Dies hänge aber mit am dritten Wunsch des inzwischen 78-jährigen Liedermachers: „Die Gesundheit spielt für uns täglich eine größere Rolle. So gesund zu bleiben, wie ich es noch bin, dasselbe für meine Frau, steht ganz vorne auf meiner Wunschliste – und es kommt aus tiefstem Herzen. Nur so kann man wirklich nach vorne blicken, sich darauf freuen, in der Familie noch vieles mitzuerleben und mitzugestalten.“
Mathias Schwappach
Das Musical „Die Weihnachtsbäckerei“ macht so richtig Appetit auf Weihnachten
Das Musical ist reine Weihnachtsfreude! Mit viel Empathie für kleine Zuseher und etwas Wortwitz für größere Begleiter bietet „Die Weihnachtsbäckerei“ 75 Minuten beste Unterhaltung und ansteckende Vorfreude. Für heute erwachsene Rolf-Zuckowski-Fans ist es ein Schwelgen in Kindheitserinnerungen; für den fröhlich trällernden Nachwuchs ist es ein entspanntes Theater-Debut mit vielen Lach-, Gesang- und Staun-Momenten. Die Geschichte ist schlicht, daher für Kinder gut nachvollziehbar. Die Figuren bieten Identifikationsfläche und Gemeinsamkeiten, was das Verständnis zusätzlich fördert. Und wenn dann noch der Hund zu sprechen beginnt, der Schneemann schunkelt und die Lebkuchen tanzen, hält es kaum einen kleinen Musicalbesucher noch auf den Sitzen.

Das Musical macht mächtig Appetit auf Weihnachten, Plätzchen, vereint traditionelle Weihnachtslieder mit den liebgewonnenen Kompositionen Zuckowskis, um die Weihnachtsvorfreude noch viel mehr anzuheizen. Neben Stuttgart wird „Die Weihnachtsbäckerei“ noch in vielen anderen Städten gespielt, auch im Hamburger Schmidts Tivoli. Dort ist das Stück einst entstanden: Martin Lingnau und Hannah Kohl hatten sich vorgenommen, ein Musical für die ganze Familie zu kreieren. Dem passionierten Musiker Rolf Zuckowski, der den Prozess begleiten durfte, war es wichtig, bei aller Freude und kreativen Ideen, im Stück dennoch stets die eigentliche Weihnachtsbotschaft spüren zu können: „Ich bin Martin und Hannah sehr dankbar. Ich hatte diese Dimension meiner Musik noch nicht einmal angedacht.“ Seit 2018 feiert das Stück Erfolge – und hatte jetzt erstmals Premiere in Stuttgart.
Weitere Spieltermin im Stuttgarter „Stage Palladium Theater“ sind:
Sa., 29.11.2025, 11:00 Uhr
So., 30.11.2025, 10:30 Uhr
Fr., 05.12.2025, 16:00 Uhr
Sa., 06.12.2025, 11:00 Uhr
So., 07.12.2025, 10:30 Uhr
Fr., 12.12.2025, 16:00 Uhr
Sa. 13.12.2025, 11:00 Uhr
So. 14.12.2025, 10:30 Uhr
Do., 18.12.2025, 16:00 Uhr
Fr., 19.12.2025, 13:00 Uhr
& 16:00 Uhr
Sa., 20.12.2025, 11:00 Uhr
So., 21.12.2025, 10:30 Uhr
Mo., 22.12.2025, 12:00 Uhr,
15:00 Uhr & 18:00 Uhr
Di., 23.12.2025, 10:30 Uhr
Do., 25.12.2025, 12:00 Uhr
& 15:00 Uhr
Fr., 26.12.2025, 11:00 Uhr
Sa., 27.12.2025, 11:00 Uhr
So., 28.12.2025, 10:30 Uhr
Mo., 29.12.2025, 11:00 Uhr,
14:00 Uhr & 17:00 Uhr
Angaben ohne Gewähr

