Auf kleinen Mopedrädern unterwegsim (großen) Mainhardter Wald

Die Muneros in ihrem „Schrauber-Quartier“ mit ihren Quattro-M-Shirts. Foto: Markus Rauscher
Die Muneros in ihrem „Schrauber-Quartier“ mit ihren Quattro-M-Shirts. Foto: Markus Rauscher

Inhaltsübersicht

Ihre Mopeds sind für die Mitglieder im Rallye-Verein Munero wie „Kumpels“, eben ein Gefährte, nicht nur ein Gefährt. Wer ist diese rührige Motorradclique, die auch schon durch marokkanischen Wüstenstaub gedüst ist?

Das „Anfahren“, wie sie es nennen, fiel auf den 1. Mai. Es war die Testfahrt für ihr eigenes Moped-Event, das sie mit Unterstützung der Tennisgemeinschaft Großerlach-Grab am Fronleichnamstag, am Donnerstag, 4. Juni, zum vierten Mal auf die Beine stellen: den Moped-Marathon namens „Munero Moped Masters Mainhardter Wald“, kurz: die Quattro M. Die heiß begehrten Starterplätze waren wie in den Vorjahren schon Monate im Voraus ausgebucht.

Moped-Marathon im Mainhardter Wald für gute Zwecke

Zum Frühlingsbeginn „juckt“ es auch die aktuell elf Mitglieder des Rallye-Vereins Munero wieder in den (Gasgriff-) Fingern und sie machen sich schon Mitte März bereit für ihre erste gemeinsame Ausfahrt. Alle lieben das „Kreischen“ historischer Motorräder, schrauben mit Hingabe an betagter Technik herum, crossen regelmäßig auf ihren Zweitaktern durch den Mainhardter Wald und entdecken dabei Wildnis und manch entlegene Ecke vor der Haustüre. An diesen „special locations, zu denen man sonst nie kommt“ finden auch die mehreren hundert Teilnehmer der Quttro M Geschmack, die teilweise von weit her anreisen. Für die Quattro M 2026 hätten sich ein Mopedverein von der Schwäbischen Alb und einer aus dem Frankfurter Raum angemeldet. Der Verein unterstützt mit dem Erlös gemeinnützige Organisationen. Seit Vereinsgründung im Jahr 2018 wurden nach Aussage des Pressesprechers Ralf Oppenländer mehr als 100.000 Euro an Spendengeldern verteilt. Inzwischen werden auch international Hilfsbedürftige unterstützt und auch an den Umweltschutz wird gedacht. Für jedes teilnehmende Zweirad pflanzt das Team zusammen mit der Gemeinde Großerlach einen Baum.

Liebe für robuste Geländefahrzeuge und gemächlich schnaufende Zweitakter

Wer teilnimmt, darf sich auf wenig befahrene kurvenreiche Nebenstraßen freuen, auf tolle Spots, schöne Aussichten, schmucke Ortsdurchfahrten, Blicke auf Burgen, Brücken, Seen und Wälder. Die „Muneros“ selbst sind auch schon wesentlich kräftiger motorisiert mit Geländefahrzeugen durch marokkanischen Wüstenstaub gebrettert, haben menschenleere Wildnis in den Karpaten erlebt und sind über „gefühlt alle“ Alpenpässe gekurvt. Denn sie sind aus einem Offraodteam hervorgegangen. Die Liebe zur wesentlich gemächlicheren Gangart ihrer Zweitakter hätten sie entdeckt, als ein Mitglied 2018 vorgeschlagen hat, in Österreich den Ötztaler Moped-Marathon mitzufahren, erzählt Pressesprecher Ralf Oppenländer. Er moderiert die Quattro M, weiß viel über die Geschichte der Modelle, kennt sämtliche Auto- und Mopedmarken und ihre Macken. Angemeldet sind Fabrikate aus Westdeutschland: Kreidler, Zündapp, Hercules, Solo, DKW, NSU. Sehr beliebt seien auch ehemalige Mopeds aus der DDR, besonders die Marke Simson, die ihre Modelle nach Vogelarten benannt hat: So gehen bei der Quattro M auch Schwalbe, Star, Habicht und Sperber an den Start. Dazu gesellen sich japanische und italienische Vertreter von Suzuki, Honda, Garelli und Benelli. Viele Liebhaberfahrzeuge wie Kreidler RS und Vespas tuckern mit, die teilweise viel Wert sind und auf jeden Fall immer einen Seltenheitswert haben, mit dem sie fast unter „Artenschutz“ gestellt werden müssten. „Manche siehst du sonst nirgendwo mehr“, sagt Oppenländer. 2025 fuhr als ältestes Moped eine 70 Jahre NSU mit. Bei solch einer Ballung an alter Technik kann es kaum ausbleiben, dass einer der Lieblinge mal auf der Strecke liegen bleibt.

Die Faszination Zweirad bringt Jung und Alt zusammen

Bei Pannen helfen sich alle gegenseitig, fast jeder hat etwas an Ersatzteilen dabei. Für größeres Malheur fährt ein Pannenfahrzeug („Lumpensammler“) mit. „Geschwindigkeit ist überbewertet, für uns zählt das gemeinsame Erlebnis, stundenlang kurvenreiche Strecken zu fahren “, so Oppenländer herzhaft lachend. Wie reagieren die Leute, wenn sie im Pulk durch die Landschaft „knattern“? „Sie freuen sich, lachen und winken, vor allem Kinder. Irgendwie wissen die, dass wir neben den Fußbällen auch was zum Spielen oder Süßigkeiten dabei haben“, so Oppenländer. Was gefällt ihm an der geräuschvollen Fortbewegungsart, am knatternden Sound der Zweitakter? „Es ist wie Musik in meinen Ohren, vom Crescendo bis zum Staccato.“ Und wonach „riechen“ eigentlich Mopeds? „Die  Mischung aus Benzin und Öl riecht richtig gut, wenn alles gut eingestellt ist.“ Für alle im Verein und sämtliche Quattro M-Starter quer durch die Generationen ist ihr „Töff“ mehr als ein fahrbarer Untersatz, entsprechend hingebungsvoll pflegen sie ihn – jeder für sich oder in der Gruppe.

Bei allem, was sie tun, haben sie eine klare Haltung: „Wir haben unseren Spaß und auch das Geld, um tolle Reisen mit unseren Mopeds oder Offroadern zu unternehmen. Aber es geht nicht allen Menschen so. Unsere Botschaft: Sei zu allen freundlich und hilfsbereit, es könnte auch dich mal treffen“, sagt Vorsitzender Julian Holland.

von Heidrun Gehrke
Fotos: ZVW, Markus Rauscher

Quattro M am 4. Juni 

Das Event an Fronleichnam bietet einen Rahmen für einen ganzen Tag Erlebnis mit Verköstigung und viel Freude – für Fahrer und Zuschauer. Im Zelt verkauft der Verein Essen und Getränke. Abends trifft man sich in einer Bar.

Streckenlänge
160 Kilometer

Start und Ziel
Großerlach beim Tennisheim

Streckenführung
Die Strecke ist ausgeschildert. An jeder Kreuzung stehen Richtungsweiser. Sie bleibt bis kurz vor dem Start geheim, die Teilnehmer sollen „überrascht“ werden.

Startervoraussetzungen
Mitfahren kann jeder, der ein Mofa, Moped, Roller oder Mokick mit maximal 50 Kubik besitzt.

Mehr unter www.ready2rallye.de

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